Kafka Tamura – Nothing to Everyone [Review]

Es ist immer schön, wenn Bands live noch besser klingen als auf ihren Alben. Kafka Tamura sind, nach einer Support Tour mit Milky Chance im Februar, gerade mit ihrem Debüt Nothing To Everyone, das Mitte August bei Lichtdicht Records erschien, auf Headline-Tour.

In ihren melancholischen Indie-Pop mit hörbaren Einflüssen von The XX bringen sie auf ihren Konzerten in Deutschland, mit vereinzelten Stops in England, der Schweiz und Österreich, noch viel mehr Druck. Unterstützt von zwei Gastmusikern bot das Deutsch-Englische Trio um die charismatische Sängerin Emma Dawson im kleinen Kasseler Kellerclub “Unten” eine runde und sehr professionelle Show.

Was auf dem Album phasenweise etwas zu platt produziert klingt, bekommt live einen volleren und sehr viel dynamischeren Charakter. Angefangen beim Intro, das auf dem Album wenig druckvoll daher kommt und live mit dem Einsetzen der Drums so richtig wachrüttelt. Genauso konnten aber auch ruhige Stücke wie Liar, das zusammen mit Bloodstains am stärksten an The XX erinnert, und auch Emma Dawsons Stimme ihre Wirkung entfalten: Für den Bruchteil einer Sekunde herrschte am Ende von Liar, dem vorletzten Lied des Abends, absolute Stille.

Trotz der platten und noch etwas unausgereiften Produktion, ist das Album und gerade die Singles No Hope und Bones doch eingängig, definitiv hörbar und mainstreamtauglich. Der Albumtitel Nothing To Everyone klingt daher eher wie ein Understatement. Natürlich sind Kafka Tamura noch vergleichsweise unbekannt und scheinen im momentanen Überangebot an Indie-Pop-Bands zu versinken, doch gerade live zeigen sie welches Potenzial noch in ihnen steckt und auch ihre Fanbase wächst, wahrscheinlich gerade dadurch, stetig.

Man darf gespannt sein, wie sich sich die Band weiterentwickelt und ob sie auf ihrem, hoffentlich schon Anfang 2017 erscheinenden, zweiten Album erwachsener klingen und damit aus ihnen mehr wird als ein Nothing To Everyone.

Tobias Kolle

Lehramtsstudierender und leidenschaftlicher Musik(hör)er.

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