K. Flay – Life as a Dog [Review]

Hip Hop. Schwere Beats, ein paar wohldosierte Synthies. Jede Menge Text, der oft zwischen Frauenfeindlichkeit, Brutalität und sprachlicher Genialität wie ein nervöser Flummi hin und her springt. Abgerundet von absurd poppigen Hooks, die möglichst gut ins Ohr gehen sollen. Zu hektisch und träge im gleichen Moment. Und dann noch diese aufgesetzt ausgeprägte Ghetto-Attitüde!

So viel zu den Vorurteilen. Hip Hop ist für viele, von Indie, Pop und der ganz seichten Sorte von Punk sozialisierten Ohren, wohl eines der schwierigsten Genres.

Bis dann jemand kommt, ein Album macht und die vorher abgesteckten Grenzen einfach ignoriert.

Am 21.08 veröffentlichte K. Flay bei Humming Records / Rough Trade ihr Debütalbum in Deutschland. Ein Album mit 11 Songs, die irgendwo zwischen Indie, Hip Hop und radiotauglichem Pop liegen und auch durch gewaltsames Pressen einfach nicht formschlüssig in eine der zahlreichen, von Musikkennern erdachten, Genreschubladen passen mag. Indie-Hip-Hop ist das neue Label, das den Raum betritt und dabei helfen soll, das Gehörte einzuordnen und die Orientierung zu behalten.

Dabei ist gerade Orientierungslosigkeit die Essenz von Life as a Dog. Nachdem K. Flay, Kristine Flaherty, schon mehrere Mixtapes und Remixe über ein Major-Label veröffentlichte, die sich deutlicher als ihr Debüt dem Begriff „Hip-Hop“ beugen, befreit sie sich aus dem Deal mit den Großen des Musikbusinesses und zieht von New York nach Los Angeles.

Dort macht sie nach eigener Aussage endlich das, was sie bei der Unterschrift des Major-Vertrags im Kopf hatte: Ein Album, dessen Songs manchmal nach Indie a lá I Blame Coco klingen, im Ohr bleiben und durchaus als leichte Kost für zwischendurch funktionieren, nur um wenige Sekunden später einen fetten Beat aus den Boxen zu drücken und klarzustellen, dass es trotzdem immer noch ein Hip-Hop-Album ist.

Allerdings eines, das nichts von der Wut und Aggressivität seines Genres wissen möchte, sondern lieber – wieder ganz indiemäßig – reflektiert, analysiert und eigene Fehler und Versäumnisse eingesteht. Das auch mal etwas Raum für Melodien freischaufelt, die definitiv ein Lächeln erzeugen können und, das eventuell sogar Indiefreaks und Gangsterrappern gefällt.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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