DRINKS – Hermits on Holiday [Review]

Nach den ersten paar Sekunden und dem immer wieder und wiederkehrenden Gitarrenriff von Laying Down The Rock, denkt man an Lo-Fi-Indie. Beim zweiten Song Focus on The Street kommt dann schon langsam dieses ungute Gefühl auf, als müsse man der gerade neu gegründeten Band des 13-jährigen Cousins bei der ersten Probe zuhören. Inklusive schief ausbrechenden Stimmen, trashigen Synthiesounds und unglaublich monotoner Gitarrenriffs.

Der Unterschied ist, dass man DRINKS gerne zuhört – Warum auch immer!

DRINKS, Cate Le Bon und Tim Presley, haben am 21.08 mit Hermits On Holiday das Debüt ihrer noch jungen Kooperation bei Heavenly Recordings und [PIAS] Cooperative veröffentlicht. In 9 Songs liefern sie irgendwas zwischen experimentellem Garage-Lo-Fi-Rock, unerträglich mies produziertem Pop und Lärm – schönem Lärm!

Beide machen seit Jahren erfolgreich als Solokünstler Musik und tatsächlich klingt das, was jetzt unter DRINKS in die Plattenläden kommt, wie eine logische Mischung aus dem Lo-Fi-Alternative von Tim, aka White Fence, und Cates Indie-Folk-Pop; nur auf Crack.

Ist das, was die beiden getrennt voneinander machen eine Edelboutique, dann ist Hermits On Holiday ein muffiger Second-Hand-Laden – dreckig und unübersichtlich, aber auch charmant, markant und individuell.

Auch nach mehrmaligem Hören stellt sich kein echtes Verständnis für die Platte ein. Dafür bleibt, auch nach knapp 7 Minuten Spilt the Beans mit unzähligen Textwiederholungen und anarchischen Wutausbrüchen von Klavier und Gitarre, eine tiefe Faszination für die oft subtil versteckte und ironische Popigkeit, die DRINKS auf diesem Album einfangen.

Könnte man Schizophrenie hören, würde sie klingen wie diese Platte! Immer wieder scheint es, als verlieren die oft absurd langen und monoton wirkenden Songs mittendrin den roten Faden und stolpern orientierungslos durch den Raum. Nur um, kurz bevor man die Hoffnung verliert, wieder zurückzufinden und ein tiefes Wohlgefühl beim Zuhörer auszulösen.

Dieses Album sollte man sich definitiv antun. Ich verspreche: Nach 42 aufreibend versöhnlichen Minuten hört es auch endlich wieder auf.

Leider.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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