Leyya – Spanish Disco [Review]

Schwere Bässe, die sich durch den Kopf in den Bauch und die Beine drücken, dicht gefolgt von fragil wirkendem Gesang, der irgendwo zwischen Bauchnabel und Hals hängen bleibt. Gemacht von einem Elektro-Duo aus Österreich.

Natürlich wieder Österreich – So langsam gehen mir die Textanfänge für Bands aus der südlichen Alpenhemisphere aus. Musikalisch sind Leyya dieser aber ohnehin entwachsen.

Ihr Debüt klingt international und perfekt ausproduziert. In 10 Songs, einem Intro, Outro und Interlude schaffen sie es, innerhalb der oft so homogen klingenden Elektroszene, einen eigenen kontrastigen Sound zu etablieren. Brechen immer wieder mit klassischen Strukturen und verzichten im richtigen Maß auf Eingängig- und Vorhersehbarkeit, ohne anstrengend zu werden.

Vor mittlerweile fast 4 Monaten haben sie Spanish Disco beim Wiener Label Las Vegas Records veröffentlicht und damit, nach ihrer erfolgreichen Debüt-EP Drowning in Youth, eine Ode, an die Unentschlossenheit und den Gegensatz, in die Plattenregale gebracht.

Leyya - Spanish Disco
© Caroline Hoops

Die ursprünglichen Singer-Songwriter-Strukturen von Sängerin Sophie Lindinger werden durch durch das Dazukommen von Multi-Intrumentalist Marco Kleebauer zu großartigem Elektro-Pop – sie liefert Stimmung und Emotionalität, er Energie und den nötigen Nachdruck.

Der Bass wummert stetig gegen ihre oft zerbrechlich wirkende Stimme; die Leichtigkeit einer durchtanzten Clubnacht gegen tief melancholische Regentage. Leyya spielen mit Kontrasten und der Vermischung zweier Welten, die auf den ersten Blick nicht zusammen passen wollen. Brachialität gegen Fragilität und Spontanität gegen Konzeptionismus.

Nie ist man sicher: Soll man zu dieser Platte nun Tanzen, weinen, oder einfach Beides. Marco zeigt immer wieder sein feines Gefühl für Stimmung und Spannung der Songs, mit feinen Melodien, sich aufbäumende Synthiewänden und dem Kollaps im richtigen Moment. Durch den Bruch mit klassischen Strukturen und Erwartungen, fehlt es dem Album in keiner der knapp 40 Minuten an Dynamik!

Am Ende pendelt alles zwischen nervösem Tatendrang und bittersüßer Tiefenentspannung – ein Album wie eine lange Zugfahrt. Aber eine mit Fensterplatz.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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