Bergfilm – [Interview]

Vor 2 Wochen fand zum ersten Mal das Neon Fields Festival statt und das Team hat ein beeindruckendes Line-Up aufgestellt! Neben Rangleklods, Leyya und Coma haben auch Bergfilm in Haren gespielt. Nach der Show haben sie mir erzählt wieso sie ihre Debüt-EP nur auf Vinyl veröffentlicht haben und was es mit ihren Albumplänen für nächstes Jahr auf sich hat.

reissnadel: Wie war euer Sommer bisher? Ihr habt recht viele Festivals gespielt.

Manu: Ja, super war er! Es war eigentlich immer so, dass wir spätestens am Ende eine volle Bühne hatten. Wir haben manchmal früher gespielt und dann braucht man natürlich erst eine Weile, bis die Leute kommen, aber am Ende war es doch immer recht voll.

Arthur: Wir haben auf jeden Fall unseren Spaß dran gefunden auch mal früher anzufangen und dann die Aufgabe zu übernehmen, die Leute vor die Bühne zu holen. Hat bisher auch ziemlich gut geklappt und wir lernen mit jedem Abend ein bisschen dazu.

reissnadel: War dieser Sommer euer erster Festivalsommer?

Arthur: Letztes Jahr haben wir auch schon ein paar gespielt, aber dieses Jahr sind es bestimmt doppelt so viele geworden.

Manu: Letztes Jahr haben wir auf dem Fusion und dem Open Source gespielt.

Arthur: Und Rock an der Mühle.

Manu: Ja, Rock an der Mühle! Das hat unser Booker organisiert. Sehr schönes kleines Festival.

Arthur: Rock an der Mühle! Wirklich ein ganz tolles Festival, kann ich definitiv jedem empfehlen! Aber um nochmal auf die Frage zurückzukommen, es hat sich seit letztem Jahr tatsächlich ungefähr verdoppelt.

Manu: Von außen sieht das wahrscheinlich auch krasser aus. Man selbst wächst so langsam da rein und es ist einfach die logische Entwicklung wie dieses Jahr abgelaufen ist. Es ist sehr schön, dass wir uns weiterentwickeln, aber es war bisher nie so: Boah, krass!

reissnadel: Könnt ihr von dem was ihr auf der Bühne macht denn leben? Seid ihr Vollzeitmusiker, oder ist das noch in weiter Ferne?

Arthur: Wir müssen alle nebenbei unsere Brötchen verdienen, aber gefühlt ist es trotzdem Vollzeit. Quasi ein Vollzeitjob neben einem Vollzeitjob.

Manu: Es ist auf jeden Fall nicht so, dass einem alles zufliegt, sondern es steckt jede Menge Arbeit in Allem. Natürlich freuen wir uns über jedes Gimmick, wie zum Beispiel den Licht-Schriftzug oder so, aber dafür mussten wir auch viel arbeiten und uns die nötigen Kontakte aufbauen.

Arthur: Mittlerweile haben wir auf jeden Fall eine Menge Leute, die uns unterstützen, das Licht machen, unser Mischer, der mit dabei ist. Und die machen das alles noch für wirklich kleines Geld. Es ist einfach mega wichtig, dass man ein Team um sich scharrt, aus Leuten, die einen unterstützen. Irgendwann ist man einfach an dem Punkt, an dem man das alles nicht mehr alleine stemmen kann und das merken wir gerade.

reissnadel: Wie sind denn die Pläne für den Rest des Jahres? Habt ihr noch eine Herbst- oder Wintertour geplant? Ihr habt ja schon was zu einem Album durchklingen lassen.

Arthur: Ja, genau. Für uns ist das spruchreif, aber bisher ist noch gar nichts wirklich offiziell. Wir arbeiten jetzt schon seit ungefähr einem halben Jahr an Songs für ein Album und planen irgendwann im Sommer nächsten Jahres dann unser Debüt rauszubringen. Da beginnen wir jetzt, nach der Festivalsaison richtig intensiv mit der Arbeit und hoffen, dass wir es bis Ende des Jahres ins Studio schaffen.

Marian: Live ist dadurch dieses Jahr nichts geplant und wir werden eine Wintertour wohl sausen lassen.

Manu: Eventuell noch vereinzelt Konzerte spielen.

Marian: Ja, aber für mehr ist die Zeit einfach nicht da, weil wir uns darauf konzentrieren müssen endlich ‘nen größeres Release zu haben. Vielleicht werden wir dann nächstes Jahr im Frühling irgendwann wieder mit ‘ner Tour starten.

Manu: Vielleicht kann man sich auf ein paar Support-Shows freuen. Mehr können wir bisher noch nicht dazu sagen, aber man kann ja schon mal gespannt sein.

reissnadel: Eine extrem wichtige Frage natürlich noch. Ihr habt eure erste EP nur als Download, oder als Vinyl veröffentlicht. Es gibt keine CD. Warum? Das ist ja nicht die einfachste uns günstigste Methode für ein Release?

Arthur: Die Überlegung war einfach: Wer kauft überhaupt noch Musik? Die meisten streamen einfach und wenn man die Songs einer Debüt-EP nicht irgendwo frei zur Verfügung stellt, dann hören die Leute sie erst gar nicht. Deswegen war die Überlegung, wir machen es frei streambar und natürlich downloadbar. Aber die Leute, die das wirklich kaufen wollen und tatsächlich 10€, oder sogar mehr dafür ausgeben wollen, das sind dann so Sammlertypen, die auch einfach Bock haben ‘ne Platte im Regal stehen zu haben. Vinyl kommt einfach wieder. Allein schon wegen ihrer Wertigkeit. So ‘ne Vinyl stellt man sich gerne in den Schrank. Und es ging natürlich auch um das Artwork, das man so viel besser präsentieren kann.

reissnadel: Was wirklich sehr schön ist. Ich war begeistert, als ich die Platte ausgepackt hab.

Arthur: Das Artwork hat Marion gemacht. Hast du erkannt, dass sich was drin versteckt? Ein kleiner Tipp: Da schaut dich jemand an.

Marian: Das haben wir aber tatsächlich so subtil gemacht, dass es bisher noch niemandem aufgefallen ist.

Arthur: Aber es ist gar nicht so subtil. Wenn man es einmal gesehen hat, dann ist es da!

reissnadel: Seid ihr eigentlich alle 500 losgeworden?

Arthur: Da gehen wir langsam Richtung Ende. Wir werden auf jeden Fall nicht mehr nachpressen. Sind also streng limitiert. Am Merch liegen noch ein Paar.

Marian: Obwohl die Platten auf Festivals nicht gut gehen. Da haben wir jetzt gemerkt, dass gerade hier Leute kommen und fragen: “Ey, habt ihr auch CDs?”

Arthur: Das Format ist einfach schlecht. Die Leute können’s nicht mitnehmen.

Manu: Es legt sich ja auch niemand ‘ne Platte ins Zelt.

Arthur: Aber auch als wir auf der letzten Clubtour waren. Du bist meinetwegen in Hamburg und die Leute wollen nach dem Konzert noch weiter und feiern gehen und fragen sich natürlich: “Was mach ich denn jetzt mit der Vinyl? Schlepp ich die jetzt mit?” Wir können aber jetzt schon verraten, dass es bei dem Album auf jeden Fall auch CDs geben wird. Bei der EP war es uns auch einfach eine Herzensangelegenheit es auf Platte pressen zu lassen.

Christoph: Klar! Und beides pressen ist einfach zu teuer. So groß wird die Nachfrage dann auch nicht sein. Und dann lieber Vinyl.

Marian: Endlich die eigene Musik auf Vinyl! Wenn man schon 10 Jahre Musik macht.

reissnadel: Heute Abend habt ihr viele Sachen gespielt, die ich nicht kannte und die nicht auf der EP sind. Waren auch schon 1-2 Songs für’s Album mit dabei? Es war insgesamt ja deutlich instrumentaler.

Arthur: Jein, das sind Songs, die wir vor allem live spielen. Die Sachen, die wir jetzt für’s Album schreiben werden wohl eher nicht in die Richtung gehen. Aber wir haben uns noch nicht ganz entschieden, was wirklich auf’s Album kommt.

Manu: Wir haben auf jeden Fall 2-3 Sachen gespielt, die auf dem Album sein werden. Mit Sicherheit.

reissnadel: Soll das Album denn generell anders werden, oder feilt ihr eher an dem, was ich schon auf der EP gemacht habt?

Arthur: Wir werden uns mit Sicherheit an dem, was auf der EP ist, orientieren, allerdings versuchen das weiterzuentwickeln. Die Grundstimmung der EP ist ja schon teilweise etwas verkopft und wir arbeiten dran alles ein bisschen zugänglicher zu machen.

Christoph: Also ich würde schon sagen, dass wir weiter eine Linie verfolgen. Natürlich ist es schwer das jetzt greifbar zu machen. Wenn ich das in wenigen Worten zusammenfassen könnte, müssten wir das Album ja auch nicht machen. Es gibt einfach Dinge auf der EP, bei denen ich mir denke: “Super, das gefällt mir richtig gut” und Sachen, die ich heute anders machen würde und so entwickeln wir uns weiter. Am Ende wird es sich wahrscheinlich für Außenstehende wie ein Sprung anhören, aber von uns gar nicht so wahrgenommen.

Arthur: Was auf jeden Fall passieren wird, ist, dass wir noch einen Schritt weiter in Richtung Professionalität gehen und die Produktion größer wird. Ich hab den ein oder anderen Song schon gehört und muss sagen: “Mein Gott”(lacht). Die EP haben wir einfach komplett selber gestemmt, aber mittlerweile befinden wir uns in einem Umfeld, in dem sich ganz andere Möglichkeiten bieten.

Marion: Das Album soll auf keinen Fall wie eine längere Version der EP klingen. Noch befinden wir uns aber ein bisschen in der Findungsphase und es wird noch ein wenig dauern, bis wir selbst ganz sicher sind.

Arthur: So ein Album ist einfach die Königsdisziplin. Das merken wir im Moment jeden Tag selber.

reissnadel: Gibt es Künstler an denen ihr euch bei der Arbeit orientiert?

Marion: Tatsächlich streiten wir uns da immer. Es gibt kaum etwas bei dem alle damit einverstanden sind, dass es wirklich geil ist.

Christoph: Die Assoziation passiert eher andersrum. Man baut einen Song und plötzlich merkt man: “Ah, das ist ein bisschen wie…”

Arthur: Aber tatsächlich gute Frage. Gibt es eine Band, bei der wir alle sagen, dass sie wirklich gut ist?

Marion: Natürlich immer James Blake und Metronomy.

Manu: Das sind aber auch alte Hüte! Ich glaube es gibt einfach eine Palette an Bands, die viele aus unserem Genre mögen und auf die man sich innerhalb dieses Indie-Pop, Elektro-Pop Universums einigen kann.

Arthur: Was wir versuchen als unser Alleinstellungsmerkmal zu behalten, ist, dass wir die ganzen elektronischen Komponenten, die es in unserer Musik gibt, live spielen können. Es ist ja mittlerweile Gang und Gebe, dass viel vom Band kommt und darauf verzichten wir komplett. Dieses Bandfeeling versuchen wir jetzt auch im Songwriting für das Album beizubehalten. Es ist wichtig, dass das noch rüberkommt. Dieses “Es ist alles programmiert und kommt alles aus der Tube”, das ist einfach überhaupt nicht unser Ding!

Christoph: Man merkt auch erst Live, dass man so einen Song zum Leben erweckt. Wie das, was man vorher nur als steife Abfolge im Kopf hatte, dann plötzlich an Fahrt und Dynamik gewinnt, wenn man es dann live umsetzt.

Arthur: Wir würden nie einen Song aufnehmen, den wir live so nicht performen könnten. Auch, wenn wir beim Songwriting viel am Rechner arbeiten.

reissnadel: Das war’s schon. Dankeschön!

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

2 thoughts on “Bergfilm – [Interview]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s