BOY – We Were Here [Review]

Wenn das Debütalbum das beste, innerhalb der von mir überschaubaren Vergangenheit, veröffentlichte Popalbum in Deutschland ist und alle erdenklichen Themen zwischen Zukunftsängsten und Verliebtsein beinhaltet, ohne dabei nur ein einziges mal vom Kitsch überrascht zu werden, oder in die genretypische Phrasendrescherei zu verfallen, dann sind die Erwartungen an den Nachfolger gigantisch!

“Mutual Friends” ist persönlich, authentisch und irgendwie sympathisch. Ein Album bei dem man sich  beim Hören das Grinsen nur schwer verkneifen kann. Alle Songs geprägt vom Umzug von Sängerin Valeska Steiner aus Zürich nach Hamburg. Alle Songs geprägt von der Vorfreude und Neugier auf einen neuen Lebensabschnitt. Das gesamte Album kam im kleinen Akustik-Kleidchen daher und wippte locker und leicht durch den Sommer 2011.

Vier Jahre nach ihrem Debüt und diversen Touren auf der ganzen Welt haben BOY jetzt endlich “We Were Here” veröffentlicht und wieder wunderschönen und gut produzierten Pop abgeliefert. Diesmal ist alles geprägt vom Leben auf Tour und den vielen Reisen, die die beiden innerhalb der letzten Jahre unternommen haben. Die Texte drehen sich um immer wieder kehrende Abläufe, Orientierungsverlust und den Wunsch Spuren zu hinterlassen – “everywhere we’ve been, we have been leaving traces”.

BOY wollen auf dem, mit 9 Songs und einer guten halben Stunde Spielzeit doch recht kurzen neuen Album, auch tiefergehende Themen ansprechen, aber verzetteln sich dabei leider ab und zu zwischen sehr plakativen Textzeilen in “Hotel” -“just a stop along the way, just a temporary place” und jeder Menge Wiederholungen im Titelsong – “We were here, we were here, we were really here”.

Der Sound des Albums ist deutlich erwachsener und wirkt internationaler, als er es noch vor vier Jahren tat: leichte Synthies statt Klavier und E- statt Akustikgitarre bilden jetzt die Basis für Valeskas Gesang, der in diesem größeren und aufwändiger produzierten Umfeld manchmal leider etwas „weichgemixt“ wirkt und dann einiges an Charakter und Persönlichkeit verliert. Das gesamte Album ist durch immer wiederkehrenden Sounds und aneinander erinnernde Melodiefetzen geprägt und klingt so homogen, dass nach dem ersten Hören die Unterscheidung der einzelnen Songs, ohne deren Texte, schwer fallen kann.

Von der einzigartigen Naivität und Leichtigkeit, die “Mutual Friends” ausstrahlte ist auf “We Were Here” nicht mehr viel zu spüren.  Trotzdem ist es am Ende wie eins der tausenden Touristenfotos vor dem Eifelturm – austauschbar, aber definitiv wunderschön!

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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