Die Breminale – Stadfest-Foodfestival-Festival [Live]

Ein Stadtfest-Foodfestival-Festival – so oder so ähnlich kann ich meinen Eindruck der diesjährigen Breminale am besten beschreiben. “Breminale” ist, ganz ohne Diskussionsspielraum, ein eher unglücklich gewählter Name für das Ganze und auch ich habe eine Weile gebraucht, bevor ich verstanden hab, dass es dabei gar nicht um Filme, sondern hauptsächlich um Musik geht.

Warum die ganze Chose so heißt, kann ich jedenfalls absolut nicht nachvollziehen. Aber darum soll es ja auch gar nicht gehen!

Am Mittwoch, also dem Eröffnungstag, hat es mich nach Bremen verschlagen und natürlich auch auf die Breminale, die nach außen erstmal ein wenig Stadtfest-Feeling ausstrahlt und leider auch die typischen Macken von einem eben solchen mitbringt; am deutlichsten war der nicht enden wollende Strom von Menschen, der sich unaufhaltsam durch die Schneise zwischen Bühnenzelten und Fressbuden schob und ein gemütliches “Über das Gelände gehen” quasi unmöglich machte.

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Auf der anderen Seite kann man die Festivalambitionen deutlich sehen: überall selbstgezimmerte Bühnen, oder Sitzecken mit Feuerstellen, die zum gemütlichen Verweilen einladen! Dass das aber leider schwierig ist, sagte ich ja bereits.

Nach diesem ersten Eindruck war ich natürlich skeptisch, was die Musik angeht. Außerdem ist die Eröffnung am Mittwoch natürlich nicht zwangsläufig ein Garant für die besten Bands des Wochenendes. Allerdings hab ich mich da definitiv geirrt!

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Als Opener im “Baronesse”-Zelt waren We Walk Walls aus Wien da. Und Musik aus Wien sollte man sich, zu Zeiten von Bilderbuch und Wanda, lieber angucken, bevor man das nächste große Ding aus dem Süden verpennt. Mit ihren Wiener Kollegen haben die vier allerdings wenig am Hut. Statt Austro-Pop und jeder Menge Falk-Attitüde liefern sie einfach feinsten Indie-Pop mit jeder Menge Synthie-Sounds, ausgefeilten Drumpatterns und zweistimmigem Gesang. Herrliche Musik, um in einen Abend wie diesen zu starten! Genau die richtige Mischung aus Gemütlichkeit, die nicht direkt vor den Kopf stößt, und dem gewissen Nachdruck, der dafür sorgt, dass man so langsam beginnt richtig Bock aufs Tanzen zu bekommen! Nach dem Konzert wurde direkt das zweite Album “Opportunity” gekauft und das Review ist schon in der Mache.

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Dass der Abend dann aber doch deutlich länger und feuchtfröhlicher als geplant ausging, ist einer anderen Band zu verdanken: Liedfett – Das Hamburger Liedermacher-Trio, das sich von einer Punkband prinzipiell nur durch die sehr minimalistische Instrumentalisierung unterscheidet! Was den Ärzten und den Hosen über die Jahre ein wenig verloren gegangen ist – die Authentizität und Spontanität absolut sinnentleerter Ansagen – das beherrschen die Hamburger perfekt. Mit Gitarre, Cajon und ab und zu ein wenig Kazoo, bringen sie das gesamte Zelt, fernab vom großen künstlerischen Anspruch, unter ihre Kontrolle und damit zum Durchdrehen! Moshpit, Crowdsurfing und das obligatorische Hinknien und Aufspringen; Liedfett erfinden das Rad am Mittwoch nicht neu, aber geben ihm auf jeden Fall jede Menge Schwung!

Zurück im Bett, tief tief in der Nacht, muss ich zugeben, dass der leicht bescheuerte Name am Ende gar kein Problem ist. Die Breminale hat an diesem Mittwoch auf jeden Fall einfach nur gute Musik nach Bremen gebracht! Und darauf kommt es ja an.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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