The Babies – The Babies [Review]

Musik, die so klingt als käme sie direkt aus einem winzigen Probenraum in einer Garage. Die so schrammelig und ungeschönt klingt, dass man im ersten Moment nicht glaubt, dass das wirklich das fertige Album und kein Bootleg ist. Und auch das Cover wirkt irgendwie nicht künstlerisch und ist so gar nicht hochglanz.

Besser kann ich meinen ersten Eindruck vom selbstbetitelten Debütalbum von The Babies kaum beschreiben. Aber spätestens nach ein paar Minuten mit dieser Platte war mir klar, dass es sich statt um einen Bootleg, wohl eher um einen der zukünftigen Schätze meiner kleinen Sammlung handelt!

Als der Bassist von Woods macht Kevin Morby 2009 recht erfolgreich eingängigen Folk-Rock und veröffentlicht gerade sein viertes Studioalbum. Cassie Ramone arbeitet mit ihrer Band, Vivian Girls, an ihrem dritten Indie-Rock-Album, als die beiden auf einer Party entscheiden, dass sie gemeinsam Musik fernab von kommerziellen Überlegungen und Erfolgsdruck machen möchten.

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© Caroline Hoops

Nach 2 Jahren, in denen alle Pausen ihrer Hauptprojekte für Proben und Songwriting genutzt wurden, veröffentlichten sie dann tatsächlich ihr Debütalbum “The Babies”, auf dem sie auf jegliche Einschränkungen der Musikindustrie verzichten konnten und wohl auch wollten, beim kalifornischen Indielabel Shrimper.

Dieses Album fühlt sich an wie eine Garagenparty mit viel Alkohol, einem überambitionierten DJ und einer unterdimensionierten Anlage – Sehr charmant!

Alles übersteuert und knarzt; teilweise ist der Gesang absolut nicht zu verstehen, weil er viel zu leise zwischen die leicht verstimmten Gitarren gemixt wurde und Kevin Morby krächzt manchmal mehr als zu singen. Das soll aber auf keinen Fall heißen, dass dieses Album schlecht klingt! Ganz im Gegenteil habe ich großen Respekt vor dem Produzenten Jarvis Taveniere und der Fähigkeit einen Sound so an haarscharf an der Grenze zum Unangenehmen zu erzeugen und dadurch die Authentizität und den Wiedererkennungswert der Band extrem zu steigern. Gerade in diesem Kontext beweisen Morby und Ramone immer wieder ihr Gespür für Melodien, die in dem oberflächlich vielleicht schlecht klingenden Sound unfassbar gut funktionieren und erst durch den Kontrast interessanter werden, als sie es in jeder Folk-Pop-Band wären.

Auf „The Babies“ haben sie den Moment, in dem die Gäste auf einer Garagenparty endgültig alle Hemmungen zu Robbie Williams‘ “Angels” verlieren und sich die Seele aus dem Leib gröhlen, eingefangen und in 11 Popsongs verpackt, die mit aller Kraft versuchen nicht nach Pop zu klingen.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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