AB Syndrom – Hey Herz [Review]

Nach diesen ersten Wörtern der Pressemitteilung war ich angefixt. Gibt es wirklich eine deutsche Band, die sich in diese großen Fußstampfen traut?

Also habe ich direkt reingehört in die ersten Songs von “Hey Herz”, dem neuen Album von AB Syndrom und war leider nur so mittel begeistert. Ich wusste einfach erstmal nicht wohin damit.

Der elektronische Unterbau von “Hologramm” und “Jalousien” hat mich direkt gepackt – ein tiefer, schwimmender Bass, die Pausen im richtigen Moment und alles wohl dosiert und mit genug Witz, um zu begeistern. Außerdem sind allein die Videos der Vier schon absolut sehenswert! Ich dachte, wer ein konzeptionell so geniales Video wie das von „Hologramm“ machen kann, dessen Musik kann gar nicht so verkehrt sein. Die interaktive Version des Videos findet ihr hier.AB_Syndrom_Hey_Herz_Cover_800

Das Problem, das ich aber erstmal für mich lösen musste, waren die Deutschen Texte – passte dieser Post-Dubstep und Elektrosound in meinen Ohren einfach überhaupt nicht mit unserer Sprache zusammen.

Mittlerweile muss ich sagen, dass ich damit absolut falsch lag. Nach ein zwei Runden durch all das, was sich auf “Hey Herz” so findet, war ich begeistert und bin es immer noch!

Nach wie vor ist der Gesang, der meist ohnehin eher Sprechgesang ist, in vielen Songs der CD –  leider gibt es das Album nur Digital auf eben dieser, oder als Download – nach wie vor der schwächste Part. Die Refrains klingen manchmal stimmlich angestrengt und das obligatorische “Yeah” an vielen Zeilenenden wirkt zu oft wie ein unbeholfener Pausenfüller oder die letzte Rettung zum nächsten Reim.

All das kann ich aber verzeihen, denn auch wenn die gesangliche Leistung von Bennet Seuss mich nicht komplett überzeugen kann, tun es die Texte an vielen Stellen um so mehr. Wo ich am Anfang ein Problem gesehen habe, sehe ich nach ein wenig Zeit mit ihrer Musik eine riesige Stärke. Bennet beweist oft sein Gefühl für Wortspiele und das Erzeugen von Bildern, die nicht zwangsläufig Sinn ergeben, aber jeden Sprachaffinen begeistern werden.

“Wir fahren leise in der Polizeisirenen-Schneise” – “Ich hab dich gestern Nacht um die die Ecke gedacht”

Zusätzlich darf man natürlich das gesamte “Drumherum” des Gesangs nicht vergessen! Und da sind AB Syndrom wirklich stark! Dieses Album ist mit Liebe zum Detail komponiert und produziert. Überall Stereospielereien, unerwartet verzwickte Rhythmen und gepitchte Vorcals, kombiniert mit treibendem Bass und Drums, die sich teilweise fast schon mit Gewalt in den Kopf drücken.

Dazwischen sind dann auch noch diese kleinen Feinheiten und Sounds, die das mutige Zitat der Pressemitteilung rechtfertigen und die Fußstapfen wenigstens ein wenig schrumpfen lassen.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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