Courtney Barnett – Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit [Review]

Ja, ich bin spät dran. Das muss ich leider zugeben. Aber irgendwie ist eines der besten Alben, die in diesem Jahr in die Plattenläden gelangt sind, einfach an mir vorbeigegangen. Natürlich habe ich hier und da das Cover mit dem dahingekritzelten Stuhl erspäht, aber reingehört habe ich erst letzte Woche. Und seitdem bin ich schwer begeistert!

Auf insgesamt 43 Minuten findet man in 11 Songs wunderbar gemachten Grunge-Country-Pop. Alles gemacht von der Australierin Courtney Barnett und mithilfe von einer Hand voll Studiomusikern in Melbourne innerhalb von 10 Tagen aufgenommen. Solch kurze Studiozeiten sind, im Zeitalter von Overdub und allgemeinem Produktionswahn innerhalb der Pop-Musik, definitiv bemerkenswert!

Und auch wenn die Musik allein schon Grund genug für Begeisterung ist – bei all der Energie und den eingängigen Melodien, die sich auf der Platte finden – setzt Frau Barnett mit ihren Texten nochmal ordentlich einen drauf.

“Jen insists that we buy organic vegetables and I must admit that I was a little skeptical at first; a little pesticide can’t hurt?”

Schon der Titel “Sometimes i sit and think, and sometimes i just sit” zeugt davon, dass man es hier nicht mit den gängigen Floskeln und platten Metaphern zu tun hat, mit denen man sich leider sonst so oft in diesem und den meisten anderen Genren rumschlägt. Courtney Barnett erzählt Geschichten! Und seit ich zum ersten mal die Single “Dead Fox” gehört habe, hänge ich an ihren Lippen!

Dabei macht sie selbst keine große Sache aus dem, was sie literarisch zu ihrem Gitarrenspiel zum Besten gibt. Den Titel der Platte habe sie zum Beispiel, so erzählt sie in einem Interview, auf einem Poster in der Wohnung ihrer Oma gesehen, als sie noch ein kleines Mädchen war.

“…i just thought it was clever, so i decided for it as the album title”

Courtney_Barnett_album_artwork

In der knappen Dreiviertelstunde, in der man ihren Gedanken lauschen darf, befasst Courtney sich mit alltäglichen Dingen: Von der Angst eines Mannes seine Haare zu verlieren und den falschen Job gewählt zu haben (“elevator operator”), über Selbstzweifel und die Erwartungen Anderer (“Pedestrian at Best”), bis zum zwanghaften Gefallenwollen innerhalb eines Flirts (“Aqua Profonda!”) behandelt sie fast alles. Aufmerksam beobachtend beschreibt sie dabei innerhalb der 11 Songs ihre Umwelt und das was in ihr vorgeht, ohne auf aufgebauschte Metaphern, oder effekthaschende Wortschöpfungen zu setzen. Vom textlichen Anspruch ist ihr Debüt eher ein Rap- als ein Popalbum!

“I lay awake at three, staring at the ceiling. It’s a kind of off-white, maybe it’s a cream.”

Um trotzdem noch auf die Musik zu sprechen zu kommen: Auf diesem Album findet man keinerlei elektronische Spielereien und keine aufwändige Produktion. Man findet das, was der Idee der Texte am nächsten steht; ich würde es einfach Gitarren-Musik nennen. Allerdings weit weit entfernt vom einfachen Geklimper von Singer-/Songwritern.

Es gibt viele verzerrte Gitarren, treibende Basslines und man kann überall die Liebe zum Unreinen des Grunge hören. “Kim´s Caravan” verliert sich als vorletzter Song in einem fast 1 1/2 Minuten langen theatralischen Outro, das einfach nicht aufhören will lauter und verworrener zu werden.

Das gefällt vielleicht nicht beim ersten Hören, aber ich bin mir sicher: Das ist der stets ungeschminkten und in, meist viel zu großen, T-Shirts auftretenden Sängerin herzlich egal!

“Why you so eager to please?”

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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