Mumford & Sons – Wilder Mind [Review]

Gastbeitrag von Tobias Kolle

“No flame burns forever” – so rechtfertigen Mumford & Sons im Opener “Tompkins Square Park” den musikalischen Wandel auf ihrem neuen Album. Sie standen nach “Babel” vor der Wahl zum dritten Mal das gleiche Album herauszubringen, oder sich von ihrer bisherigen Signatur abzuwenden und sich damit neu zu erfinden. Natürlich klingen die ersten beiden Alben nicht exakt gleich: “Babel” ist eine sehr gelungene Weiterentwicklung des Sounds von “Sigh No More”. Allerdings ist dem nichts mehr hinzuzufügen und das hat die Band erkannt!

Also sahen sich die vier Briten die elektronisch verstärkten Pendants ihrer Instrumente und auch das Schlagzeug mal genauer an und heraus kam “Wilder Mind”. Der typische rohe “Mumford & Sons-Sound” gehört nun der Geschichte an; Banjo, Cello und eine dominante Akustikgitarre sucht man selbst im ruhigen “Cold Arms” vergeblich. Stattdessen klingen sie jetzt ein wenig glattgebügelt, dunkler, internationaler und irgendwie Indie-Band-mäßig, vereinen hörbar Einflüsse von Travis, Coldplay und den Beatles und wurden insgesamt endgültig fit gemacht, um die Stadien der Welt zu füllen. Es handelt sich jedoch zum Glück nicht um aufgeblähten Bombast-Pop, den man bei einem Coldplay-Vergleich erwarten könnte, sondern einfach um instrumental neu aufgestellte Mumford & Sons.

Marcus Mumfords Stimme im “Indie-Band Kontext” zu hören, ist gewöhnungsbedürftig, da sie und die authentische handgemachte Folkmusik der ersten beiden Alben sich so gut ergänzten. Doch auch jetzt trägt sie einen großen Teil zur Charakteristik des neuen Albums bei und sorgt dafür, dass Mumford & Sons trotz des Soundwandels gerade noch wieder zu erkennen sind. Auch die elaborierte und faszinierende Wortwahl Marcus Mumfords, die Mumford & Sons schon auf den vorherigen Alben ausgezeichnet hat, ist geblieben.

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© Caroline Hoops

Diesmal geht es um gescheiterte Liebe, Veränderung und damit verbundene unangenehme Wahrheiten. Eine gescheiterte Liebe und der ans Scheitern anschließende Marsch der Reflexion durch ein Tal der Dunkelheit bedeuten am Ende immer einen Neuanfang. Dieser wird musikalisch durch den Stilwechsel markiert, der prinzipiell gut gedacht ist. Allerdings hätten dem ganzen weniger große Ambitionen vom Sound der ersten Alben wegzukommen besser getan. Lediglich “Just Smoke” zu Anfang des Albums erinnert noch ein wenig an die alten Mumford & Sons und geht genau richtig weit vom alten Sound weg und auf den neuen Sound zu, was sie selber nicht zu glauben scheinen (“I thought we were done?!”). Die Hoffnung darauf, dass die folgenden Lieder eine ähnliche Richtung einschlagen verraucht aber mit “Monster” recht schnell: “So fuck your dreams”.

Es ist nachvollziehbar sich nach diesen beiden sehr erfolgreichen Alben weiterentwickeln zu wollen. Mumford & Sons haben mit “Wilder Mind” jedoch versucht zwei Schritte auf einmal zu gehen.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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