Sizarr – Perlen des MSG #4

Landau in der Pfalz. Erster Gedanke: Provinz! Zweiter Gedanke: Auch Provinz.

Jedenfalls nicht Musik. Und schon gar nicht gute Musik! Oder sogar die Musik der bemerkenswertesten Post-Punk Band, die Deutschland in den letzten Jahren gesehen hat.

Sizarr sind trotzdem aus dem kleinen Ort im Süden Deutschlands und machen Musik, die international klingt. Und international beachtet wird.

Letztes Jahren waren sie dann Headliner auf dem MSG und hatten Pech. Es war die falsche Stimmung und das Konzert wollte einfach nicht richtig zünden. Dass die drei Live aber absolut überzeugen können habe ich 2013 auf dem Dockville miterlebt. 45 Minuten Konzert und der Entschluss die Platte dieser Band zu kaufen war unumstößlich gefasst!

2009 gegründet und 2012 mit „Psycho Boy Happy“ ein beeindruckendes Debüt hingelegt. Direkt in die Charts und auf große Festivals, denn das Album war einfach mal ein wenig anders. Dunkle, stampfende Beats dominieren den melancholischen Sound der ersten Platte. Dazu dann die manchmal zerbrechlich wirkende Stimme von Sänger und Texter Fabian Altstötter.

Zentrales Thema der ganzen Platte war ihre “Teenage Angst”.

Anfang des Jahres kam jetzt endlich die Fortsetzung in Form von “Nurture”. 10 Lieder auf 47 Minuten, die zwar nach Sizarr klingen, aber irgendwie  doch komplett anders. “Slightly” könnte glatt im Radio laufen und “Untitled” verzichtet auf so ziemlich alles was man erwartet und setzt stattdessen auf Piano.

Sie haben das gemacht, was viele andere Bands ankündigen, aber dann einfach nur den falschen Produzenten wählen und ihren Charakter verlieren.

Sizarr haben sich weiterentwickelt. Und zwar ordentlich!

Vielleicht liegt es am Umzug von Mannheim nach Berlin. Auf jeden Fall haben sie sich noch weiter von allem ländlichen entfernt. Diese Platte klingt deutlicher lebendiger und ehrlicher. Versteckt sich nicht mehr hinter gigantischen Synthiewolken und Klangebenen, die “Psycho Boy Happy” teilweise eine wenig Charakter genommen haben.

“Nurture” ist ein riesiger Schritt in Richtung Indie. Viel Bass. Viel Drums. Hier und da eine verzerrte Gitarre. Und alles deutlich schneller, heller und eindringlicher als auf ihrem Debüt.

Das sie trotzdem noch Sizarr sind und nicht zwischen all den aalglatten Indiebands, die sich zur Zeit so auf der Welt tummeln, untergehen wollen hört man vor allem in “Scooter Accident”. Da ist er dann wieder, der typische Sizarrsound.

Nur deutlich ausgefeilter und pointierter.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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