Rangleklods – Straitjacket [Review]

Fernab von Genregrenzen hieß es. Und jetzt dümpeln wir die ganze Zeit im Indie-Universum rum. Endlich ist Schluss damit! Mit Rangleklods kommt mal etwas Kantigeres ins Plattenregal.

Avantgarde-Elektro-Pop aus Kopenhagen. Musikalisch findet man sie wohl irgendwo zwischen James Blake und Crystal Castles. Ab und zu absolut eingängig und poppig, nur um sich im nächsten Moment in einem irren Beat aus Soundschnipseln aller Art und stark modulierten Vocals wiederzufinden.

Bekannt geworden sind Esben Nørskov Andersen und Pernille Smith-Sivertsen durch ihre 2011 veröffentlichte Home EP mit dem absolut genialen “Young & Dumb”. Einer Basslinie mit richtig viel Punch, die hier und da ein wenig nach oben und unten moduliert wird und dazu eindringlich, hypnotischer Gesang von Espen, der sich auch gerne mal komplett vom gewohnten Reimschema und Sprachduktus abwendet.

Genau diese kleinen, im ersten Moment irritierenden, Stellen in ihren Songs machen den Reiz an der Musik von Rangleklods aus!

Vor einer Woche ist jetzt endlich, nach 3 Jahren Pause, ihr zweites Album “Straitjacket” erschienen. Und ich war skeptisch. Verdammt skeptisch! Können sie nochmal so ein stimmiges und besonderes Album wie “Beekeper” machen?Vor allem, wenn sich eine Band so viel Zeit für ein zweites Album nimmt, besteht schnell die Gefahr, dass sie sich irgendwo zwischen Songwriting und Produktion komplett verlaufen und die Musik zu kalkuliert wird. Zu kalt, zu produziert.

Tatsächlich ist das auf “Straitjacket” absolut nicht der Fall. In Interviews erzählen die beiden, dass alle Songs erst innerhalb der letzten 6 Monate entstanden sind, die meisten sogar in den letzten drei. Es habe sie einfach nur 2 1/2 Jahre gekostet, den richtigen Impuls zum Anfangen zu finden.

“Straitjacket” ist anders als “Beekeeper”.

Aber das ist auch gut so. Während auf dem ersten Album die Beats eher wie Indieremixe klangen, die hier und da mit Synthiesounds angereichert wurden, klingt das zweite deutlich elektronischer. Sie sagen selbst, dass sie sich stark von 90er UK-Rave haben beeinflussen lassen. Außerdem kommt Pernille mehr ans Mikrofon als vorher. Sie löst sich deutlich von ihrem Background- und Chorusgesang und übernimmt in einem Teil der Songs die kompletten Vocals. Eine Änderung, die sich sehr erfrischend auf den gesamten, vorher doch sehr dunklen, Sound von Rangleklods auswirkt. Auch wenn es zu Beginn durchaus erstmal etwas gewöhnungsbedürftig ist. Gerade die erste Single “Lost U” hat beim ersten Hören wenig mit dem gewohnten Rangleklods Sound, der nun einmal stark von Esbens Stimme geprägt war, zu tun.

Und so entwickelt sich auf dem Album irgendwie eine Art Zweigeteiltheit, die aber in keiner Weise schlimm ist. Man hat auf der einen Seite die recht poppigen und simplen ersten 5 Lieder, in denen sich die Beiden deutlich zurückhalten mit Dingen, die im ersten Moment nicht gefallen könnten. Da ist dann das Höchste der Gefühle ein kleines schönes Bläsersample in “Forgive”, oder hier und da gepitche Vocals. Songs wie „Schoolgirls“ mit einem genial einfachen Bass und einem mächtig großen Chorus erinnern hier und da wieder sehr an „Beekeeper“. Eine kurze Erdung im neuen Sound!

Aber dann kommt “Warrior”, ein kleines 1 1/2 Minuten langes Interlude, das das gesamte Album mehr oder weniger in zwei Teile aufteilt.

Und plötzlich fängt das Album an, wirklich interessant zu werden! Song Nummer 6, “Dry Me Out”, ist eins dieser Stücke, die einen im ersten Moment stutzen lassen. Gesampelte Wortfetzen im Intro und dann klingt der Beat fast nach Dubstep. Das Ganze springt natürlich ordentlich zwischen diesen Parts hin und her. Schön gemacht! Definitiv Hörenswert!

Mit dem Namensgeber der Platte, “Straitjacket” als vorletztes Lied, befindet man sich dann definitiv auf dem Höhepunkt der Experimentierfreudigkeit. Fast balladiges Intro. Gepitche Vocals, die einen tief durchatmen lassen. Nur um sich dann plötzlich in einem irren Beat wiederzufinden. Und direkt wieder zurück.

Herrlich!

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

4 thoughts on “Rangleklods – Straitjacket [Review]

  1. Bin erst ein paar Wochen vor dem Neonfields-Festival in Haren (wo sie ordentlich gerockt haben) auf die Combo aufmerksam geworden, inzwischen habe ich beide Alben da :)
    Der Kritik kann ich nur zustimmen, endlich musikalisch wieder mal anderes…

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s