Streaming Sucks?!

Als ich mit diesem Blog angefangen habe, hab ich mir überlegt, dass es nicht nur darum gehen soll neue Künstler vorzustellen und Konzertberichte zu liefern, sondern auch darum Gedanken, über alles was mit Musik zu tun hat, auszutauschen. Damit möchte ich mit diesem Artikel anfangen, der ein bisschen eine Wutrede und ein bisschen eine Anregung an alle sein soll, die Musik nicht als ein selbstverständliches und kostenloses Produkt sehen wollen.

Schon länger beschäftige ich mich mit dem Thema „Streaming von Musik“ und den sehr unterschiedlichen Meinungen dazu. Ehrlich gesagt hat mich das Streamingfieber nie gepackt. Ich möchte einfach nicht davon abhängig sein, dass Spotify oder andere Firmen mir ihre Datenbank zur Verfügung stellen müssen, damit ich Musik hören kann. Was ist denn, wenn ihnen Lizenzen entzogen werden, oder sie das ganze Ding einfach irgendwann vor die Wand fahren?!

Dann steht man da. Komplett ohne Musik oder nur mit den seit Jahren eingestaubten MP3s, die sich so über die Zeit angesammelt haben. All die Musik, die man entdeckt und zu lieben gelernt hat, kann man dann erstmal nichtmehr hören, bis man die Zeit, Geduld und vorallem das Geld hat, sie sich neu zusammenzusammeln. Am Ende bezahlt man dann wahrscheinlich doppelt.

Natürlich halten jetzt viele mit dem Argument dagegen, dass man vielleicht keine Musik besitzt, wenn man streamt, dafür aber auf einen Großteil der modernen Musikgeschichte zugreifen kann. Ich gebe zu: Das ist reizvoll! Und ich habe auch schon die eine oder andere Band bei Spotify entdeckt oder mal eben reingehört, bevor ich mir dann endlich die Platte bestellt hab. Wohl gemerkt, innerhalb der kostenlosen Möglichkeiten. Denn genau da kommen wir auch schon zum zweiten Kritikpunkt:

Wenn man streamt, dann bezahlt man unkontrolliert und undifferenziert. 

Daraus ergibt sich eine unglaubliche Ungerechtigkeit im Musikbusiness. Spotify sammelt das Geld ein und verteilt es dann anteilig an alle Künstler, abhängig von deren Klickzahlen. Das heißt ja, dass von meinen monatlichen 10 Euro der Großteil an die sowieso schon reichen und von mir, zum großen Teil, weder gemocht noch geschätzten „Künstler“ der Musikindustrie geht und nur ein winzig winzig kleiner Teil an die Musiker, die ich höre und die das Geld vielleicht bitter nötig hätten um weiterhin Musik machen zu können.

Denn genau das will ich doch erreichen, wenn ich eine Platte kaufe. Nicht, dass ich dann die Möglichkeit habe mir die Musik so oft ich mag zu Hause anzuhören, da das heutzutage sowieso ohne Weiteres und ohne Geld möglich ist.

Wenn ich eine Platte kaufe, oder ein Album downloade, dann ist das auch ein wenig eine „Bestellung“ für ein zweites Album und einfach eine Art der direkten Wertschätzung.

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

7 thoughts on “Streaming Sucks?!

  1. Stimmt! Ich kaufe alle meine Musik. Es hat auch berufliche Gründe, denn ich möchte nicht als Musiklehrer ständig mit einer mobilen Festplatte voller »Sicherungskopien« herumlaufen. Auf meinem 160 GB iPod Classic befinden sich 100% bezahlte (oder eben geschenkte) Musik. Als jemand, der auch schon an der einen oder anderen Musikproduktion mitgewirkt hat, kann ich sehr gut nachvollziehen, wie kostspielig das Erstellen eines Albums ist.

    Und genauso kann ich die Nöte von Jugendlichen verstehen, die einfach nicht genug Geld haben, um sich alle Musik, die sie gut finden, bezahlen zu können. Ich habe sieben Jahre an einer Internatsschule mit 100 MBit-LAN gearbeitet. Die Kids dort haben quasi rund um die Uhr gezogen und gesaugt. Da wurden Festplatten nur noch mit Vermerken wie 100 GB, halbes Terabyte etc. weitergereicht. Das kann es auch nicht sein.

    Aber die eigentliche Schuld an der Misere liegt meiner Einschätzung nach bei den Plattenfirmen. Beim Aufkommen der Musikdownloads haben die gemauert und geblockt, statt offen auf diese neue Möglichkeit zuzugehen und nachvollziehbare Preismodelle zu entwickeln. Ein niedriger Albumpreis wäre für viele Menschen sicher ein Anreiz, das Album tatsächlich zu kaufen. Aber die im Regelfall abgerufenen knapp 18 €/CD sind einfach nur absurd. Selbst iTunes (dort lade ich alle meine Musik) verlangt mit üblicherweise knapp unter zehn Euro nur etwas mehr als die Hälfte. Und die Qualität ist bereits seit Jahren so hoch, dass man gar keinen Unterschied mehr hören kann, selbst wenn man dies wollte… Hätte die Musikindustrie das bereits vor zwanzig Jahren akzeptiert, könnten die Preise heute vielleicht im Schnitt sogar bei sieben Euro/Album liegen und immer noch für alle Beteiligten einen Profit abwerfen. Aber diese Chance wurde nun einmal vertan. Schade.

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    1. Erstmal danke für diesen ausführlichen und klugen Kommentar! Freut mich, dass ich da was anregen konnte:)

      Ich stimme dir da tatsächlich voll und ganz zu.
      Bis auf den Punkt mit den absurden Preisen. Ich finde 18 Euro zwar auch viel Geld. Aber wenn man bedenkt, dass daran viele Menschen teils monatelang dran gearbeitet haben, dann ist der Preis zu rechtfertigen.

      Was Itunes angeht, bin ich auch eher der haptische Typ. Es ist einfach schön, die Musik im Regal stehen zu haben:)

      Ich hoffe auf mehr solcher konstruktive Kommentare!:)

      Gruß,
      Chris

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      1. Ich fände die 18€ ja nicht einmal falsch, wenn die Produktion tatsächlich einen Großteil davon kosten würde. Aber anscheinend plant die Musikindustrie gerne noch eine Raubkopie pro tatsächlich verkauftem Album dazu. Und dann holen sie sich das Geld wieder bei denen, die ohnehin kaufen. Das ist so, als würde ich mich in der Schule über jene aufregen, die nicht zur Big Band-Probe kommen, dafür aber jene zusammenfalten, die gekommen sind.

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      2. Ok, das kann ich durchaus nachvollziehen.
        Ich muss auch eingestehen, dass ich den Aufwand einer Albumproduktion nur aus meiner Erfahrung als Musiker einschätzen kann. Und dafür fänd ich 18 Euro auch ohne Raupkopien gerechtfertigt.

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  2. Ich kaufe relativ viel Musik, habe da aber nicht unbedingt immer Geld zu.
    Daher finde ich Spotify schon recht praktisch (ich nutze die kostenlose Version), um mal Musik im Hintergrund laufen zu lassen oder so, auch wenn ich mich immer über die umständliche Handhabung der freien Version aufrege.
    Bei mir ist das Problem aber vor allem mein Musikgeschmack, der sich ständig wandelt, ich mag fast alle Genres und daraus dann noch sehr viele Künstler:
    Ich habe Kollegah supportet und auch mit dem Kauf von Merchandise unterstützt, aber auf einmal höre ich dann doch lieber Lindsay Stirling und kaufe mir auch die Alben von ihr, irgendwann ist Lindsay zu brav und ich höre K.I.Z., aber auf einmal entdecke ich, dass ich alle Lieder von Calvin Harris ganz toll finde – aber das passt nicht zu meiner Stimmung. Lieber was Alternatives, Lykke Li, Linkin Park, Awolnation…. Aber in der nächsten Woche sind die alle abgeschrieben und ich höre nur Musik aus den 80ern.
    Wenn das so ist, kann ich nicht immer alles kaufen, für sowas sind solche Dienste echt praktisch – dort kann ich meinetwegen den einen Tag Gwen Stefani und den anderen Tag Trailerpark hören, ich bezahle immer gleich (oder halt gar nicht).

    LG,
    Alexandra von growing-in-self-confidence.blogspot.de

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    1. Morgen Alexandra,

      ich weiß genau was du meinst. Ist natürlich schwierig, wenn du derart sprunghaft bist:D
      Aber es geht auch nicht darum, immer sofort alles zu kaufen, was man ganz cool findet, sonder die zu unterstützen, die man unterstützen mag. Das machst du ja scheinbar, mit Leute wie Kollegah:)

      Danke für den Kommentar und lieben Gruß!
      Chris

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