Wanda – Amore [Review]

Nachdem letztes Mal ein Import aus dem Norden Europas hier seinen Platz gefunden hat, ist diesmal eine Band aus dem Süden dran. Genauer gesagt aus dem entspanntesten Teil des deutschen Sprachraums.

Wanda aus Wien sind quasi genau das Gegenteil von den ebenfalls gefeierten Wienern von Bilderbuch. Wo Bilderbuch auf extreme Extravaganz und gefühlt möglichst uneingängigen Pop setzen, sind Wanda umso eingängiger, roher und direkter. Schöner Indiepop, sie bezeichnen es selbst als “Popmusik mit Amore”! Da ist es nur logisch, dass ihr erstes Album “Amore” heißt und mehr oder weniger ein Konzeptalbum über alle guten und schlechten Seiten der Liebe ist.

Alle reden im Moment über das “rote Album” von Tocotronic, dabei ist die Platte über die Liebe doch schon geschrieben worden. Nur leider nicht an der Alster.

Dass es hier um eine absolute Ausnahmeband geht haben auch Kraftklub erkannt und die 5 Freunde aus Wien Anfang des Jahres mit auf Tour durch Deutschland genommen. Und egal wo man hinhört, oder über die Konzerte liest, strömt einem reine Begeisterung entgegen. An dem Punkt, wo viele Bands anfangen nicht mehr mit dem Erfolg klarzukommen und sich in Alkohol und Drogen ersticken, blühen Wanda erst richtig auf und liefern auf der Bühne eine überraschende Show mit spontanen Soli, Crowdsurfen und Gruppenumarmungen. Komplett gepackt von der Euphorie, die auf guten Konzerten zwischen Publikum und Band bis ins Hysterische ansteigen kann!

Genau das ist es auch, was ich live erwarten würde, wenn ich mir “Amore” anhöre. Jede Menge Bass und Schlagzeug, definitiv tanzbar. Die Melodien sind einfach und setzen sich absolut im Kopf fest. Auf dieser Platte findet man einfach verdammt gut gemachten Austro-Pop!

Ich muss zugeben, man muss es mögen. Das ein oder andere Lied kommt in starkem wiener Schmäh daher und die Texte sind teils haarscharf am Schlagerkitsch vorbei. “Solange ich bei dir bin, ist´s egal! Ich trag ein Engelskostüm in der Nacht” – aber andererseits gehören Sätze wie diese doch, wenn überhaupt, dann auf ein Album wie “Amore”, das sich komplett der Liebe verschrieben hat, oder?

Dabei ist das Album alles andere als Platt! Es geht nicht einfach nur um Liebe zwischen zwei Menschen, sondern auch um Sex, Alkohol und den Tod als letzten Akt der Eifersucht. Vor allem der Alkohol ist das zweite zentrale Thema der Platte. Marco Micheal Wanda selbst sagt, dass sie „gelebtes Leben verdichten. Zu Wahrheiten über Leben, Liebe und Tod.“ So etwas sagen nur Leute, die einen besonderen Umgang mit der Sprache beherrschen!

“Ich sauf´ kein Schnaps, ich sauf´ einen Pistolenlauf! Baby, komm nicht zu spät nach Haus´”

Insgesamt tragen die Texte mit ihrer besonderen Wortwahl und teils sehr eigenen Grammatik, die Marco Michael Wandas Feder entspringt, erheblich dazu bei, dass man absolut auf dieser Musik hängen bleibt. In “Schnaps” schwankt der Text komplett zwischen poetischen Zeilen – “der Schnaps, der weiß wo die Sonne steht” und plumpen Aussagen wie “Wenn du weißt, wo man um diese Zeit noch saufen kann … da geh´n wir hin!”

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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