Noel Gallagher – Chasing Yesterday [Review]

“We let love get lost in anger chasing yesterday” – dass Noel Gallagher der Meinung ist, seine größten Werke bereits geschrieben zu haben, wird wohl kaum deutlicher, als in dieser Zeile aus “While The Song Remains The Same”: Albumtitel-gebend und nostalgisch, verpackt sie die Erinnerung an die allmählich verblassenden 90er Jahre, aus denen “What’s the Story Morning Glory” noch immer heraussticht, wie die Nadel aus dem Arm eines alten Plattenspielers – klar, wegweisend, aber doch ein wenig eingestaubt – und die Single “Don’t Look Back (!) in Anger”, die erste Veröffentlichung mit Noel am Gesang war.

Gallaghers zweites Soloalbum ist natürlich weit mehr als eine Hommage an die eigenen Werke aus längst vergangen Tagen und mit “You Know We Can’t Go Back” stellt er klar, dass die 90er auch für ihn vorbei sind. Nach fast vier Jahren Pause meldet er sich nun endlich zurück und beweist mit “Chasing Yesterday” eindrucksvoll, dass man seiner Linie treu bleiben kann, ohne auf der Stelle stehen zu bleiben. Nach dem durchaus soliden Solo-Debüt im Jahr 2011 wurde ich, wie vermutlich viele andere auch, von der Angst getrieben, dass da vielleicht nicht mehr viel kommt. Die Hälfte der Lieder kursierte zuvor bereits seit einigen Jahren auf Youtube, das angekündigte Album mit Amorphous Androgynous erschien nie und Interviews zeigten einen lethargisch gewordenen Noel Gallagher.

Doch plötzlich ist er wieder da. Und wie! Mit einem vielseitigen Album voller Energie und genialen Melodien setzt Noel endlich wieder ein Zeichen. Das Spektrum der Songs reicht vom klassisch gallagheresken “Riverman”, über das psychedelische “The Right Stuff”, in dem nach einem ungewohnt langen Intro “out of the blue” die erste Textzeile erklingt, zu Riff-lastigen Stücken wie “The Mexican”. Zudem sind auch die in der Deluxe-Version enthaltenen B-Seiten, “Do The Damage” und “Revolution Song”, der bereits erschienen Singles “In The Heat of The Moment” und “Ballad of The Mighty I”, traditionell stark. Auch hier ist Gallagher seiner Linie treu geblieben. Wo andere fünf Remixe der Single, die angeblich von unterschiedlichen Produzenten sein sollen und trotzdem alle gleich und langweilig klingen, als ‘B-Seiten’ anbieten, leistet er es sich, ein nicht minder gut produziertes Stück zu veröffentlichen, das sich viele dann auch noch auf dem Album wünschen! Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass es noch gestandene Musiker gibt, die einfach ihr Ding durchziehen und sich gekonnt vom Einheitsbrei im Radio distanzieren, statt sich, wie fast alle anderen Größen des Geschäfts, durch namhafte Kollaboratoren weiter zu pushen und auf Biegen und Brechen mehr Fans und vor allem höhere Verkaufszahlen zu ergattern.

In diesem Sinne freue ich mich schon jetzt sehr auf das nächste Album und, falls Noel auf dem Weg dorthin wieder ein wenig den Faden verlieren sollte, erscheint ihm hoffentlich “The Girl With The X-Ray Eyes” und tritt ihm in den Hintern!

Tobias Kolle

Lehramtsstudierender und leidenschaftlicher Musik(hör)er.

2 thoughts on “Noel Gallagher – Chasing Yesterday [Review]

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