Olli Schulz – Feelings aus der Asche [Review]

Olli Schulz ist den meisten wohl hauptsächlich durch seine Fernsehkarriere als professioneller Trinker “Schulzkowsky” bei Neo Paradise oder vielleicht auch gerade eben so noch als bessere Hälfte von Jan Böhmermann aus dem Radio bekannt.

Dabei macht der Gute seit vielen Jahren nebenbei auch noch Musik, die textlich in Deutschland ihres Gleichen sucht! Obwohl der Vergleich zu poetischen Textmonstern wie Tocotronic gewaltig hinkt. Bei Olli fehlen nämlich die typischen poetischen Ausbrüche, die es manchmal schwierig machen den Zugang zu dem zu finden, was man da hört. Genau deshalb ist seine Musik so verdammt gut!

Olli Schulz beobachtet und Olli Schulz bringt auf den Punkt was er sagen will!

Dabei wirkt das was er zu erzählen hat manchmal so banal oder offensichtlich, dass es vielleicht gerade dadurch diesen Feierabendbier-mit-Kumpel-Charme bekommt, weswegen man gerne Abends auf der Couch sitzt und dabei zuhört wie er Situationen durchlebt und beschreibt, die man kennt, liebt, oder hasst. Und das ganz ohne jegliche Attitüde.

Gerade das letzte Album “SOS – Save Olli Schulz” war irgendwie ungewohnt produziert und hatte hier und da den Charme einer Schülerband. Vor allem denke ich dabei an den Refrain von “Wenn es gut ist”, in dem zu dem Gitarrenspiel und der leichten Schlagzeugbegleitung plötzlich Synthi-Sounds eingespielt wurden, die so gar nicht passen wollen. Aber vielleicht sind es auch gerade diese Dinge, die am Ende dazu beitragen, dass man bei Olli Schulz immer wieder das Gefühl hat, keinen abgehobenen Musiker, sondern einen Kumpel zu unterstützen, wenn man die Platte aus dem Laden nach Hause trägt. Um dann dort zu lauschen, was dieser Kumpel, denn so über die Welt und seine Erfahrungen mit ihr, zu sagen hat.

Insgesamt kann man sagen, dass die neue Platte musikalisch deutlich aufwendiger und “besser” ist. Alle 10 Songs sind sehr liebevoll arrangiert und nach einem Stilbruch wie bei “Wenn es gut ist” sucht man vergeblich. Dafür wird man aber auch mit komplett ungewohnten Seiten des Künstlers beglückt. “Boogieman” zum Beispiel wirkt ungewöhnlich groß und fast pathetisch. “Feelings aus der Asche” als Namensgeber für das ganze Album kommt mit langen Instrumentalteilen daher, die aber absolut gekonnt sitzen und das Lied nur noch besser wirken lassen.

Man bekommt das Gefühl, dass er nochmal rekapituliert.

Dafür legt er auch direkt die gewohnten musikalischen Mittel bei Seite und kommt mit einer genialen Hip-Hop Selbstreflexion um die Ecke. “Passt schon, passt schon. Ich hab ja nix gelernt und das kommt davon”. Wenn das so ist, dann sollte man tatsächlich nochmal drüber nachdenken, lieber nichts nach der Schule zu machen!

In “So muss es beginnen” und “Als Musik noch richtig groß war”  trauert Olli seinen vergangen Helden und der Art, wie mit seiner Kunst umgegangen wurde nach.

“Das kann hässlich werden” ist eine nüchterne Auswertung einer Trennung, wie man sie bisher in der Popmusik wohl selten gehört hat, dafür sprechen Zeilen wie – “Dann wird das Haus verbrannt, dann wird der Hund verjagt / und dann wird Platz gemacht. Da wo unsere Liebe war”!

Zwischen der ganzen oberflächlichen Nostalgie und Trauer findet man auf dem Album also vor allem jede Menge Zuspruch, es einfach mal gut sein zu lassen und nicht zu wählerisch zu sein, am Ende passt´s schon.

“Nachts wenn der Affe schreit, dann sind alle Katzen grau” – Dschungel, Olli Schulz

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

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