Charlie Cunningham – Outside Things EP [Review]

Charlie Cunningham!

Der Mann mit der Konzertgitarre aus der Nähe von Oxford ist wohl das Beste, was das Singer-/Songwritertum uns die letzten Jahre gebracht hat. Charlie Cunningham sollte man sich merken!

Denn so richtig reizvoll ist es doch langsam nicht mehr, einem auf der Gitarre schrammelnden Hipster beim Betrauern seiner letzten große Liebe zuzuhören. Und Jack Johnson hat mittlerweile auch langsam leider wirklich viele Alben, die alle doch sehr gleich klingen und deshalb nicht unbedingt gekauft werden müssen.

Umso besser, dass Charlie alles anders macht und direkt erstmal zur ungewohnt altmodischen Gitarrenvariante greift. Was er aus der rausholt überrascht den geneigten Westergitarrenhörer sehr! Nach ein paar Jahren Leben in Spanien ist er ein wenig auf Flamenco hängengeblieben, könnte man meinen, wenn man in die erste EP „Outside Things“ reinhört.

Weil Flamenco alleine aber dann wohl doch zu langweilig ist, kommt noch ein “Beat” mit Ringfinger und Daumen dazu. Klingt anders und ist technisch unglaublich beeindruckend!

Genau das war das Erste, was mich live direkt umgehauen hat, als er im Docks als Vormann von den Mighty Oaks (zu denen sicher auch noch was hier erscheint) auftrat. Dazu muss ich sagen, dass ich bei Singer-/Songwritern und Liveauftritten immer sehr skeptisch bin, weil es doch sehr schnell ein wenig fad werden kann, wenn die auf der CD vorhanden Zusatzinstrumente fehlen und tatsächlich nur ein Mann mit einer Gitarre auf der Bühne sitzt.

So dachte ich auch hier, dass das Warten auf die Eichen jetzt wohl einfach nur etwas lauter zu statten geht. Es kam aber sehr anders! Innerhalb von wenigen Sekunden hatte der gute Herr so gut wie den ganzen Club in seinen Bann gezogen und das typische Hintergrundgebabbel verstummte!

Nach der halben Stunde hatte ich fast vergessen, dass ich ja eigentlich wegen einer ganz anderen Band gekommen bin und die Entscheidung, beim Rausgehen die Platte für schmale 10 Euro einzusacken, war in Stein gemeisselt.

Übrigens erwähnenswert, beziehungsweise sehr untypisch, dass es “Outside Things” gar nicht als CD zu kaufen gab. Auf die Nachfrage danach hat der Mensch vom Merch einfach auf iTunes verwiesen.

Gleich vorweg: Die Platte steht dem Liveeindruck in absolut nichts nach und verzichtet tatsächlich auch komplett auf zusätzliche Instrumente. Lediglich Hall und ab und zu ein sanfter Klangteppich unterstützen die Studiovariante der 4 Lieder.

Charlie Cunningham

Legt man das schwarze Stück Plastik auf, erwartet einen bei “Outside Things” erstmal die gleiche, sehr ungewohnte aber kraftvolle Gitarre gepaart mit der durchaus extravaganten Art zu Singen, die ab und zu klingt, als hätte er schon den ein oder anderen Drink intus.

Schon die ersten Takte wühlen unglaublich auf und distanzieren sich deutlich von dem, was man von diesem Genre erwartet. Vor allem die extrem schnellen Flamenco-Pattern im Intro und Chorus irritieren erstmal kurz, bevor sie anfangen zu wirken.Mit “Outside Things” wird man direkt reingezogen!

“Next time i listen more, i won´t even talk and i´ll hear all the thoughts you´ve got!” – Fehlende Zeit zum Wiedergutmachung von Fehler. Darum und darum, es jetzt einfach besser machen zu wollen, geht es in “Plans”. Ein unfassbar ruhiges Stück mit gezupfter Gitarrenbegleitung, in dem viele Pausen zum Nachdenken und “sich verlieren” sind.Was erst langweilig klingt, ist durch viel Tempo- und Dynamik-Spiel mein Lieblingsstück der EP geworden!

In “In One Out” erwartet einen Hall. Sehr viel Hall. Der aber genau im richtigen Moment in sich zusammenbricht, wenn der Refrain wieder in die Strophe übergeht. Schon beim ersten hören war ich traurig, dass es so verdammt nervig ist, auf einer Schallplatte so eine Stelle direkt nochmal zu hören!

Geniale Alben und Texte zeichnen sich auch oft dadurch aus, dass sie auf auch der Hörerebene Botschaften parat halten. Genau deswegen war ich schwer begeistert, als die letzten Worte dieser Platte “Lights off” ertönten. Manchmal sind es eben auch die Kleinigkeiten, die begeistern. Der Refrain vom gleichnamigen Lied geht extrem gut ins Ohr und man wird ihn nur schwerlich im Laufe des Tages wieder los.

So entwischt einem über den Tag das ein oder andere:

„Lights off“

Chris Umbach

Gründer von reissnadel.com - studierte, neben dieser Sache mit Musik, irgendwas mit Flugzeugen im Norden Deutschlands und geht, ab und an, auf orangefarbener Schwalbe auf Reisen.

3 thoughts on “Charlie Cunningham – Outside Things EP [Review]

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